
Hitzewallungen, schlechter Schlaf, Stimmungsschwankungen, weniger Kraft oder Lust: Viele Menschen spüren ab der Lebensmitte, dass sich etwas verändert. Oft stecken die Sexualhormone dahinter, aber nicht immer. Dieser Beitrag erklärt allgemein, wie Östrogen, Progesteron und Testosteron entstehen, was in den Wechseljahren passiert, was Studien zur Hormontherapie zeigen und welche Laborwerte üblich sind.
Hormone als Lebensphase, nicht nur als Laborwert
Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein Übergang. Bei Frauen beginnt er meist mit Veränderungen im Zyklus; die Menopause ist die letzte Regelblutung und wird rückblickend festgestellt, wenn zwölf Monate keine Blutung mehr aufgetreten ist. Bei Männern sinkt das Testosteron mit dem Alter langsam, ohne einen festen Zeitpunkt.
Diese Jahre fallen oft mit anderen Veränderungen zusammen: Kinder werden selbständig, Eltern brauchen Unterstützung, im Beruf verschieben sich Rollen. In der ganzheitlichen Medizin betrachten wir deshalb Körper und Lebensphase zusammen. Aus der Erfahrung der Praxis hilft es vielen, beides anzusehen: die Werte und die Frage, was diese Phase im eigenen Leben bedeutet. Das ist eine Sichtweise aus der Begleitung, kein bewiesenes Modell.

Die Kaskade: von Cholesterin zu Östrogen, Testosteron und Cortisol
Alle Sexualhormone und Cortisol stammen aus demselben Ausgangsstoff, dem Cholesterin. Der erste Schritt zum Pregnenolon findet in den Mitochondrien statt. Von dort verzweigt sich der Weg: zu Progesteron und weiter zu Cortisol in der Nebenniere, oder über DHEA zu Testosteron und von dort mit dem Enzym Aromatase zu Östradiol.
- Cholesterin → Pregnenolon
- erster Schritt in den Mitochondrien
- Aromatase
- wandelt Testosteron in Östradiol um, auch im Fettgewebe
- Nebenniere
- bildet Cortisol und DHEA
- Nach der Menopause
- Östrogen entsteht vor allem noch im Fettgewebe
Der Regelkreis
1. GnRH
2. FSH, LH
3. Sexualhormone
4. Hormone bremsen FSH / LH
Lässt die Hormonbildung in den Eierstöcken nach, steigen FSH und LH. Ein hoher FSH-Wert kann deshalb ein Hinweis auf die Wechseljahre sein; in der Übergangszeit schwankt er aber stark.
Stress und Sexualhormone: Je länger der Stress, desto stärker die Bremse
Stresshormone und Sexualhormone hängen über das Gehirn zusammen. Bei anhaltendem Stress schüttet der Hypothalamus mehr CRH aus, und die Nebenniere bildet mehr Cortisol. CRH und Cortisol bremsen den Taktgeber für GnRH im Hypothalamus. Dann sendet die Hirnanhangdrüse weniger FSH und LH, und Eierstöcke und Hoden bilden weniger Östrogen, Progesteron und Testosteron. Das gilt für Frauen und für Männer.
1. mehr Cortisol
2. bremst GnRH
3. weniger FSH, LH
Ein bekanntes Beispiel ist das Ausbleiben der Regelblutung bei starkem Stress, Gewichtsverlust oder sehr viel Sport, die sogenannte funktionelle hypothalamische Amenorrhö (Leitlinie der Endocrine Society 2017). Bei Männern kann anhaltender Stress den Testosteronspiegel senken. Viele Einzelheiten des Mechanismus stammen aus Tierstudien; beim Menschen ist der Zusammenhang beschrieben, wie stark er im Einzelfall wirkt, ist unterschiedlich (Übersichtsarbeit 2025).
Für die Begleitung heißt das: Wer bei Hormonbeschwerden nur auf die Hormonwerte schaut, übersieht leicht die Bremse davor. Deshalb gehören Schlaf, Belastung und Erholung zum Gespräch, mehr dazu im Beitrag Stress und Cortisol.
Was die Hormone im Körper bewirken
| Wirkt unter anderem auf | Wenn weniger davon da ist, kann | |
|---|---|---|
| Östrogen | Zyklus, Knochen, Gefäße, Haut und Schleimhäute, Gehirn | es zu Hitzewallungen, trockenen Schleimhäuten, Schlafstörungen und Knochenabbau kommen |
| Progesteron | zweite Zyklushälfte, Schwangerschaft, wirkt eher beruhigend | der Zyklus unregelmäßiger werden, der Schlaf unruhiger |
| Testosteron | Muskeln, Knochen, Lust, Antrieb, Blutbildung | Kraft, Lust und Antrieb nachlassen, auch bei Frauen |
| Cortisol | Stressreaktion, Blutzucker, Entzündung | bei Dauerstress das Gleichgewicht der anderen Hormone mitbeeinflusst werden (<a href="/gesundheitliche-beschwerden/stress-cortisol-dauerstress-koerper">Stress und Cortisol</a>) |
Die Beschwerden sind unspezifisch und haben oft auch andere Ursachen, etwa die Schilddrüse (Ratgeber Schilddrüse), Eisenmangel oder Schlafmangel.
Was Studien zur Hormontherapie zeigen
Frauen. Nach der Stellungnahme der nordamerikanischen Menopause-Gesellschaft ist eine Hormontherapie die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und beugt Knochenabbau vor. Bei Frauen unter 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause überwiegt der Nutzen bei belastenden Beschwerden meist die Risiken. Wer später beginnt, hat höhere Risiken für Herz, Schlaganfall, Thrombose und Demenz (NAMS-Stellungnahme 2022). Für den deutschsprachigen Raum gibt es eine eigene Leitlinie der Fachgesellschaften (S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause).
Männer. In der großen TRAVERSE-Studie mit über 5.000 Männern zwischen 45 und 80 Jahren mit niedrigem Testosteron und Beschwerden traten unter Testosteron nicht mehr schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auf als unter Placebo. Häufiger waren Lungenembolien, Vorhofflimmern und Nierenschäden. Der Studienleiter betonte, die Ergebnisse rechtfertigten keine breite Verordnung an ältere Männer (Zusammenfassung des American College of Cardiology).
Hormonpräparate sind verschreibungspflichtig, auch sogenannte bioidentische Hormone. Ob eine Hormontherapie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Abwägung von Nutzen und Risiken.
Welche Laborwerte üblich sind
- FSH und LH: Signale der Hirnanhangdrüse; steigen, wenn die Eierstöcke weniger Hormone bilden.
- Östradiol und Progesteron: abhängig vom Zyklustag; vor der Menopause zählt der Zeitpunkt der Blutabnahme.
- Testosteron und SHBG: bei Männern üblicherweise morgens gemessen, weil der Wert im Tagesverlauf sinkt.
- DHEA-S und Cortisol: Hinweise auf die Nebenniere.
- Speicheltests: werden angeboten, ihre Aussagekraft ist umstritten. Eine Auswertung über mehr als 1.200 Frauen fand, dass Östradiol im Speichel die Zyklusphase nur schlecht abbildet (Strathclyde 2023). Wir besprechen vorab, welche Frage ein Test beantworten soll.
Der Referenzbereich stammt vom Labor. Wir geben keine eigenen Grenzwerte vor, sondern zeigen die Angabe des Labors und besprechen, was sie im Einzelfall bedeuten kann. Hintergründe zu Testosteron finden Sie im Beitrag Testosteronmangel, zum Verhältnis von Östrogen und Progesteron unter Östrogendominanz.
Wann zeitnah ärztlich abklären
- Blutungen nach der Menopause
- Sehr starke oder sehr lange Blutungen
- Knoten oder Veränderungen in der Brust
- Ausgeprägte Niedergeschlagenheit oder Gedanken, sich etwas anzutun
- Plötzliche Schmerzen oder Schwellung in einem Bein, Atemnot
- Bei Männern: Knoten am Hoden, Brustvergrößerung
Wie wir in der Natura Heilpraxis vorgehen
Wir beginnen mit einem Gespräch über Beschwerden, Lebensphase und Ziele und legen gemeinsam fest, welche Werte zur Frage passen. Befunde bringen Sie gern mit. Verschreibungspflichtige Arzneimittel, auch Hormonpräparate, verordnen wir nicht; eine Hormontherapie gehört in ärztliche Hände. Wer die Lebensphase auch innerlich ordnen möchte, findet Begleitung im Mental Coaching. Einen Überblick über Laborleistungen gibt die Seite Labordiagnostik, Hintergründe zu Stoffwechselwegen Biomarker verstehen und das Nachschlagewerk ORY Biomarker. Unsere Besprechung ersetzt keine ärztliche Diagnostik.
Quellen
- The North American Menopause Society: The 2022 hormone therapy position statement. Menopause 2022. PubMed
- Lincoff A. M. et al.: Cardiovascular Safety of Testosterone-Replacement Therapy (TRAVERSE). N Engl J Med 2023. Zusammenfassung ACC
- Arslan R. C. et al.: Not within spitting distance: salivary immunoassays of estradiol have subpar validity for predicting cycle phase. 2023. Volltext
- Gordon C. M. et al.: Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 2017;102(5):1413–1439. Volltext
- Reproduction Under Siege: How Chronic Stress … Neuroendocrinology 2025. Karger
- DGGG, SGGG, OEGGG: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (AWMF 015-062). AWMF
Häufige Fragen
Woran merke ich, dass die Wechseljahre beginnen?
Häufig zuerst an Veränderungen im Zyklus, später an Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen. Die Menopause wird rückblickend festgestellt, wenn zwölf Monate keine Blutung mehr aufgetreten ist.
Kann man die Wechseljahre im Blut nachweisen?
Nur eingeschränkt. Ein hoher FSH-Wert kann ein Hinweis sein, in der Übergangszeit schwanken die Werte aber stark. Meist zählen Alter, Zyklus und Beschwerden mehr als ein einzelner Wert.
Haben auch Männer Wechseljahre?
Nicht in derselben Form. Das Testosteron sinkt mit dem Alter langsam. Ob Beschwerden damit zusammenhängen, wird über Gespräch, Untersuchung und morgens gemessene Werte abgeklärt.
Woraus entstehen die Sexualhormone?
Aus Cholesterin. Über Pregnenolon entstehen Progesteron und Cortisol sowie über DHEA Testosteron, das mit dem Enzym Aromatase zu Östradiol umgewandelt wird.
Ist eine Hormontherapie gefährlich?
Das hängt von Art, Dosis, Dauer, Alter und Zeitpunkt des Beginns ab. Bei Frauen unter 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause überwiegt bei belastenden Beschwerden laut Fachgesellschaften meist der Nutzen. Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt.
Sind bioidentische Hormone frei erhältlich?
Nein. Auch sogenannte bioidentische Hormone sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Hände.
Sind Hormon-Speicheltests aussagekräftig?
Das ist umstritten. Eine Auswertung über mehr als 1.200 Frauen fand, dass Östradiol im Speichel die Zyklusphase nur schlecht abbildet. Wir besprechen vorab, welche Frage ein Test beantworten soll.
Senkt Stress die Sexualhormone?
Anhaltender Stress kann die Bildung der Sexualhormone bremsen: CRH und Cortisol drosseln im Gehirn das Signal GnRH, dadurch sinken FSH und LH und in der Folge Östrogen, Progesteron und Testosteron. Das gilt für Frauen und Männer; wie stark, ist im Einzelfall unterschiedlich.
Spielt Stress eine Rolle?
Cortisol und die Sexualhormone stammen aus demselben Ausgangsstoff und beeinflussen sich. Anhaltender Stress kann das Gleichgewicht mitbeeinflussen. Mehr dazu im Beitrag zu Stress und Cortisol.
Alle Fragen & Antworten im Ratgeber →
Fachlich verantwortlich: Yesha Karmeli, Heilpraktiker, Natura Heilpraxis Berlin. Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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