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Antagonisten: das Spiel der Gegenkräfte im Organismus

Überall im Körper wirken Gegenspieler: in der Zelle, im Nervensystem, in Hormonen, in der Entzündung, bei den Mineralstoffen, in der Seele und im Lauf der Jahreszeiten. Gesundheit ist ein Gleichgewicht in Bewegung. In der Natura Heilpraxis fragen wir deshalb, in welche Richtung es gerade zieht, und ordnen Messwerte im Zusammenhang ein.

Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein Gleichgewicht in Bewegung. Überall im Körper wirken Antagonisten, also Gegenspieler: Die eine Kraft erregt, die andere beruhigt; die eine baut auf, die andere baut ab; die eine geht nach außen, die andere nach innen. Erst ihr Wechselspiel hält den Organismus lebendig.

In der Begleitung fragen wir deshalb nicht nur, ob ein Wert „zu hoch“ oder „zu niedrig“ ist, sondern: In welche Richtung zieht es gerade, und was braucht die Gegenseite? Das ist der therapeutische Blick auf das Ganze.

Zelle: Natrium und Kalium, die Sprache der Zellen

Jede Zelle hält Natrium draußen und Kalium drinnen. Eine Pumpe in der Zellwand, die Natrium-Kalium-ATPase, tauscht dafür in jedem Takt drei Natrium nach außen gegen zwei Kalium nach innen. So entsteht eine elektrische Spannung, das Ruhepotenzial. Für diese Arbeit braucht der Körper in Ruhe einen großen Teil seiner Energie.

  1. Ein Reiz öffnet Natriumkanäle: Natrium strömt ein, die Zelle wird erregt.
  2. Kaliumkanäle öffnen sich: Kalium strömt aus, die Spannung kehrt zurück.
  3. Die Pumpe stellt die Ausgangslage wieder her: bereit für das nächste Signal.

Gegenkräfte: Natrium steht für Erregung und Antwort nach außen, Kalium für Rückkehr und Ruhe. Nerven, Herz und Muskeln sprechen in diesem Wechsel.

MESSBAR: NATRIUM, KALIUM (PLASMA, VOLLBLUT), NATRIUM/KALIUM IM 24-STUNDEN-URIN

PUMPEATP → EnergieAußen: viel Na⁺Innen: viel K⁺Na⁺Na⁺Na⁺Na⁺K⁺K⁺K⁺K⁺3 Na⁺2 K⁺

Calcium und Magnesium

Calciumlöst Kontraktion und Erregung aus
Magnesiumdämpft den Calciumeinstrom, Entspannung

Wohin es zieht: Unter Anspannung überwiegt oft die Calcium-Seite: Muskeln und Nerven bleiben „an“.

MESSBAR: MAGNESIUM IM VOLLBLUT, CALCIUM

Nervensystem: Anspannung und Erholung

Sympathikus und Parasympathikus

SympathikusAktivität, Leistung, Kampf oder Flucht
ParasympathikusErholung, Verdauung, Regeneration, Schlaf

Wohin es zieht: Bei Dauerstress zieht es zur Sympathikus-Seite, Erholung kommt zu kurz.

MESSBAR: HERZRATENVARIABILITÄT (HRV)

Glutamat und GABA

Glutamatwichtigster erregender Botenstoff im Gehirn
GABAwichtigster hemmender Botenstoff, Beruhigung

Wohin es zieht: Innere Unruhe und schlechtes Abschalten werden oft mit einem Übergewicht der erregenden Seite beschrieben.

MESSBAR: NEUROTRANSMITTER-PROFIL (URIN)

Hormone und Rhythmus: Tag und Nacht, Speichern und Freisetzen

Cortisol und Melatonin

CortisolTag, Wachheit, morgens am höchsten
MelatoninNacht, Schlaf, abends ansteigend

Wohin es zieht: Ist Cortisol abends noch hoch, fällt es Melatonin schwer, die Nacht einzuleiten.

MESSBAR: CORTISOL-TAGESPROFIL, MELATONIN (SPEICHEL)

Insulin und Glukagon

InsulinSpeichern: Zucker in die Zellen
GlukagonFreisetzen: Zucker aus den Speichern

Wohin es zieht: Häufige Zwischenmahlzeiten halten die Speicher-Seite lange aktiv.

MESSBAR: NÜCHTERNGLUKOSE, INSULIN, HBA1C

Entzündung und Schutz

Omega-6 und Omega-3

Omega-6Ausgangsstoff vieler Botenstoffe der Entzündung
Omega-3Ausgangsstoff von Botenstoffen, die Entzündung beenden

Wohin es zieht: In der westlichen Ernährung überwiegt meist deutlich die Omega-6-Seite.

MESSBAR: OMEGA-3-INDEX, FETTSÄUREPROFIL

Oxidation und Antioxidation

Oxidationreaktive Stoffe aus Energiegewinnung und Abwehr
AntioxidationSchutzsysteme wie Glutathion

Wohin es zieht: Belastungen wie Schwermetalle, Rauch oder Dauerstress verstärken die oxidative Seite.

MESSBAR: GLUTATHION, MARKER DES OXIDATIVEN STRESSES

Stoffwechsel: Aufbau, Abbau und Ausscheidung

Aufbau und Abbau (Anabolismus und Katabolismus)

AufbauWachsen, Erneuern, Speicher füllen, vor allem im Schlaf
AbbauEnergie bereitstellen, Verbrauchen, Umbauen

Wohin es zieht: Bei Dauerstress überwiegen abbauende Hormone wie Cortisol, Aufbau und Erneuerung kommen zu kurz.

MESSBAR: SCHLAF, CORTISOL, EIWEISS- UND HORMONSTATUS

Entgiftung der Leber: Phase I und Phase II

Phase IStoffe werden aktiviert, dabei entstehen teils reaktive Zwischenstufen
Phase IIStoffe werden gebunden, etwa an Glutathion, und ausscheidbar

Wohin es zieht: Läuft Phase I schneller als Phase II, sammeln sich Zwischenstufen. Beide Seiten brauchen Nährstoffe.

MESSBAR: LEBERWERTE, GLUTATHION, ENTGIFTUNGSPROFIL

Säure und Basen

Säureentsteht im Stoffwechsel, etwa aus Eiweiß
BasenPuffer im Blut, Mineralstoffe aus Gemüse und Obst

Wohin es zieht: Der Blut-pH wird eng geregelt (7,35 bis 7,45). Die Ernährung verändert vor allem die Säurelast, die Nieren und Atmung ausgleichen. In der Naturheilkunde viel diskutiert, hier sachlich eingeordnet.

MESSBAR: URIN-pH IM TAGESVERLAUF, MINERALSTOFFE

Seele: nach innen und nach außen

Auch das Seelenleben bewegt sich zwischen zwei Richtungen: nach außen, in Begegnung und Handeln, und nach innen, in Rückzug und Besinnung. Die Begriffe extrovertiert und introvertiert hat C. G. Jung geprägt. In der Perception-Methode ist die Mitte, die beide Bewegungen hält, das Ich. Gesund ist das Schwingen zwischen beiden; bleibt es lange auf einer Seite, verliert der Rhythmus seine Mitte.

Mehr dazu unter Schlaf & Rhythmus: innen und außen →

Natur und Jahreszeiten: der Körper geht mit

MenschIM JAHRESLAUFFrühlingSommerHerbstWinterAUFBRUCHLICHT · AUSSENERNTE · LOSLASSENDUNKEL · INNEN

Licht, Temperatur und Tageslänge verändern den Stoffwechsel. In Deutschland bildet die Haut von etwa Oktober bis März kaum Vitamin D aus Sonnenlicht; im Winter dauert die nächtliche Melatoninphase länger. Eine große Studie fand, dass sich die Aktivität von rund einem Viertel aller Gene, darunter viele des Immunsystems, mit der Jahreszeit verschiebt.

SommerMehr Licht, mehr Aktivität nach außen, kürzere Nacht.
WinterWeniger Licht, längere Ruhephase, die Kräfte gehen nach innen.
FrühlingAufbruch, Umstellung von Rückzug auf Aktivität.
HerbstErnte und Loslassen, Umstellung auf die dunkle Zeit.

In der Therapie: Wir beziehen die Jahreszeit ein. Ein Vitamin-D-Wert im Februar wird anders eingeordnet als im August, und eine Begleitung im Herbst setzt andere Schwerpunkte als im Frühling.

BEISPIEL · KEINE ECHTEN WERTE

Beispiel: ein Gegenkräfte-Profil im Befundgespräch

Aus Messwerten und Gespräch zeichnen wir ein, wohin es gerade zieht. Das ist eine Gesprächsgrundlage, keine Diagnose.

Sympathikus
Parasympathikus
Cortisol abends
Melatonin
Omega-6
Omega-3
Nach außen
Nach innen
Calcium
Magnesium

Mineralstoffe: Gegenspieler und Partner

Mineralstoffe und Spurenelemente teilen sich Transportwege im Darm, werden von denselben Hormonen gesteuert oder sind aufeinander angewiesen. Wenn ein Stoff stark überwiegt, kann das die Aufnahme oder Wirkung eines anderen verändern.

Das Netz der Wechselwirkungen

Jede Linie ist eine Wechselwirkung, die in der Forschung beschrieben ist. Gestrichelt: Gegenspieler. Durchgezogen: Partner. Je dicker die Linie, desto besser ist sie beim Menschen belegt. Ein Klick auf eine Linie führt zur Erklärung.

Natrium – KaliumZink – KupferCalcium – MagnesiumMagnesium – KaliumCalcium – PhosphatEisen – KupferEisen – ZinkEisen – CalciumMangan – EisenSelen – QuecksilberZink – CadmiumKupfer – MolybdänNaKMgCaPMnFeCuMoZnCdHgSe
GegenspielerPartnerSchwermetall

Bewusst kein „Mineralrad“: Die verbreiteten Räder mit Pfeilen zwischen allen Elementen stammen aus der Pflanzenernährung und sind für den Menschen nicht geprüft. Hier stehen nur Paare, für die es Studien gibt.

Die wichtigsten Paare

Jede Karte zeigt, wie die beiden zusammenhängen und wie gut das belegt ist.

Natrium – Kalium

Gegenspielergut belegt

Die Natrium-Kalium-Pumpe hält Natrium außerhalb, Kalium innerhalb der Zellen.

Mehr dazu und Quellen

Eine Pumpe in jeder Zelle, die Natrium-Kalium-ATPase, hält Natrium überwiegend außerhalb und Kalium überwiegend innerhalb der Zellen. Auch die Nieren regeln beide gemeinsam: Wird mehr Natrium ausgeschieden oder zurückgehalten, verändert sich die Kaliumausscheidung mit. In Studien hängt das Verhältnis von Natrium zu Kalium im 24-Stunden-Urin enger mit dem Blutdruck zusammen als jeder der beiden Werte allein. Weil Kalium fast vollständig in den Zellen liegt, zeigt der Blutwert vor allem die Regulation, nicht die Zufuhr.

  1. Palmer BF. Regulation of Potassium Homeostasis. Clin J Am Soc Nephrol. 2015;10(6):1050–1060. doi.org/10.2215/CJN.08580813
  2. Ndanuko RN et al. Association between the Urinary Sodium to Potassium Ratio and Blood Pressure in Adults. Adv Nutr. 2021;12(5):1751–1767. doi.org/10.1093/advances/nmab036

Zink – Kupfer

Gegenspielergut belegt

Viel Zink regt im Darm Metallothionein an, das Kupfer bindet.

Mehr dazu und Quellen

Hohe Zinkmengen regen in den Darmzellen die Bildung von Metallothionein an, einem Eiweiß, das Kupfer bindet und dessen Aufnahme vermindert. Deshalb orientiert sich die Höchstmenge für Zink, die die EFSA nennt (25 mg pro Tag), am Kupferstatus. Bei Entzündungen verschieben sich beide Werte im Blut gegenläufig: Kupfer steigt, Zink fällt, ohne dass sich der Vorrat im Körper verändert haben muss. Für die Einordnung betrachten wir beide Werte gemeinsam und berücksichtigen Entzündungsmarker.

  1. Linus Pauling Institute, Micronutrient Information Center: Zinc. lpi.oregonstate.edu/mic/minerals/zinc
  2. Duncan A et al. The risk of copper deficiency in patients prescribed zinc supplements. J Clin Pathol. 2015;68(9):723–725. doi.org/10.1136/jclinpath-2014-202837

Calcium – Magnesium

Gegenspielerbegrenzt belegt

Calcium löst Kontraktion aus, Magnesium dämpft den Calciumeinstrom.

Mehr dazu und Quellen

Calcium löst zum Beispiel die Muskelkontraktion aus, Magnesium dämpft den Calciumeinstrom in die Zelle. Außerdem braucht die Nebenschilddrüse Magnesium, um den Calciumhaushalt zu regeln. Weil nur rund ein Prozent des Magnesiums im Blutserum liegt, kann der Serumwert unauffällig sein, obwohl die Speicher in den Zellen niedriger sind. Ein „ideales“ Verhältnis von Calcium zu Magnesium im Blut ist nicht festgelegt; die oft genannte Spanne bezieht sich auf die Ernährung und ist eine Hypothese.

  1. Costello RB, Nielsen F. Interpreting magnesium status to enhance clinical care: key indicators. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2017;20(6):504–511. doi.org/10.1097/MCO.0000000000000410
  2. Costello RB et al. Perspective: Characterization of Dietary Supplements Containing Calcium and Magnesium and Their Respective Ratio. Adv Nutr. 2021;12(2):291–297. doi.org/10.1093/advances/nmaa160

Magnesium – Kalium

Partnergut belegt

Magnesium bremst in der Niere einen Kanal, über den Kalium ausgeschieden wird.

Mehr dazu und Quellen

Magnesium und Kalium sind keine Gegenspieler, sondern Partner: Magnesium in den Nierenzellen bremst einen Kanal (ROMK), über den Kalium ausgeschieden wird. Fehlt Magnesium, kann die Niere mehr Kalium verlieren. Deshalb werden beide Werte in der Labormedizin häufig gemeinsam betrachtet.

  1. Huang CL, Kuo E. Mechanism of hypokalemia in magnesium deficiency. J Am Soc Nephrol. 2007;18(10):2649–2652. doi.org/10.1681/ASN.2007070792

Calcium – Phosphat

Gegenspieler und Partnergut belegt

Parathormon, Vitamin D und FGF23 halten beide im Gleichgewicht.

Mehr dazu und Quellen

Calcium und Phosphat bilden gemeinsam das Mineral des Knochens und werden durch drei Hormone im Gleichgewicht gehalten: Parathormon, aktives Vitamin D und FGF23. Steigt das Phosphat, reagiert der Körper unter anderem mit vermehrter Ausscheidung über die Nieren. Leitlinien empfehlen heute, beide Werte gemeinsam, aber jeweils einzeln zu bewerten; das früher verwendete Calcium-Phosphat-Produkt gilt als wenig aussagekräftig.

  1. KDIGO 2017 Clinical Practice Guideline Update for CKD-MBD. Kidney Int Suppl. 2017;7(1):1–59. doi.org/10.1016/j.kisu.2017.04.001
  2. Peacock M. Phosphate Metabolism in Health and Disease. Calcif Tissue Int. 2021;108(1):3–15. doi.org/10.1007/s00223-020-00686-3

Eisen – Kupfer

Gegenspieler und Partnergut belegt

Kupferhaltige Enzyme machen Eisen transportfähig; viel Eisen stört den Kupferhaushalt.

Mehr dazu und Quellen

Eisen und Kupfer zeigen, dass Gegenspieler auch aufeinander angewiesen sind: Kupferhaltige Enzyme wie Ceruloplasmin sorgen dafür, dass Eisen aus den Speichern freigesetzt und im Blut transportiert werden kann. Gleichzeitig können sehr hohe Eisenmengen den Kupferhaushalt beeinflussen. Bei Auffälligkeiten im Eisenstoffwechsel kann es daher sinnvoll sein, auch Kupfer und Ceruloplasmin zu betrachten.

  1. Collins JF, Prohaska JR, Knutson MD. Metabolic crossroads of iron and copper. Nutr Rev. 2010;68(3):133–147. doi.org/10.1111/j.1753-4887.2010.00271.x

Eisen – Zink

Gegenspielerbegrenzt belegt

Ähnliche Aufnahmewege im Darm, vor allem bei gleichzeitiger Einnahme als Präparat.

Mehr dazu und Quellen

Eisen und Zink nutzen im Darm teilweise ähnliche Aufnahmewege. In Studien zeigte sich eine gegenseitige Beeinflussung vor allem dann, wenn beide gleichzeitig in höherer Dosis ohne Mahlzeit eingenommen wurden; über die normale Ernährung ist der Effekt gering. Bei der Laborauswertung betrachten wir Eisenstatus (zum Beispiel Ferritin, Transferrinsättigung) und Zink deshalb im Zusammenhang.

  1. Fischer Walker C et al. Interactive effects of iron and zinc on biochemical and functional outcomes in supplementation trials. Am J Clin Nutr. 2005;82(1):5–12. doi.org/10.1093/ajcn.82.1.5
  2. Kondaiah P et al. Iron and Zinc Homeostasis and Interactions. Nutrients. 2019;11(8):1885. doi.org/10.3390/nu11081885

Eisen – Calcium

Gegenspielerbegrenzt belegt

Calcium vermindert die Eisenaufnahme aus derselben Mahlzeit.

Mehr dazu und Quellen

Calcium vermindert in Studien die Aufnahme von Eisen aus derselben Mahlzeit; schon Mengen wie in einem Glas Milch zeigten einen messbaren Effekt. In Langzeitstudien veränderte sich der Eisenstatus durch mehr Calcium allerdings kaum, weil der Körper sich anpasst. Für die Einordnung von Eisenwerten kann der zeitliche Abstand zwischen calciumreichen Lebensmitteln oder Präparaten und eisenhaltigen Mahlzeiten trotzdem eine Rolle spielen.

  1. Hallberg L et al. Calcium: effect of different amounts on nonheme- and heme-iron absorption in humans. Am J Clin Nutr. 1991;53(1):112–119. doi.org/10.1093/ajcn/53.1.112
  2. Lönnerdal B. Calcium and iron absorption – mechanisms and public health relevance. Int J Vitam Nutr Res. 2010;80(4–5):293–299. doi.org/10.1024/0300-9831/a000036

Mangan – Eisen

Gegenspielerbegrenzt belegt

Dieselben Transportwege: Bei leerem Eisenspeicher wird mehr Mangan aufgenommen.

Mehr dazu und Quellen

Mangan und Eisen werden im Darm über dieselben Transportwege aufgenommen. Ist der Eisenspeicher niedrig, stellt der Körper mehr dieser Transporter bereit und nimmt dabei auch mehr Mangan auf. Ein Manganwert im Blut lässt sich deshalb am besten zusammen mit dem Eisenstatus, vor allem dem Ferritin, einordnen.

  1. Finley JW. Manganese absorption and retention by young women is associated with serum ferritin concentration. Am J Clin Nutr. 1999;70(1):37–43. doi.org/10.1093/ajcn/70.1.37

Selen – Quecksilber

Gegenspielerbegrenzt belegt

Quecksilber bindet Selen außergewöhnlich fest und entzieht es Schutzenzymen.

Mehr dazu und Quellen

Selen ist Baustein wichtiger Schutzenzyme. Quecksilber bindet Selen außergewöhnlich fest und kann es diesen Enzymen so entziehen. In der Forschung wird deshalb diskutiert, das Verhältnis von Quecksilber zu Selen, etwa in Fisch, zu betrachten statt nur den Quecksilbergehalt. Welche Bedeutung dieses Verhältnis für den einzelnen Menschen hat, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

  1. Ralston NV, Raymond LJ. Dietary selenium’s protective effects against methylmercury toxicity. Toxicology. 2010;278(1):112–123. doi.org/10.1016/j.tox.2010.06.004
  2. Tinggi U, Perkins AV. Selenium Status: Its Interactions with Dietary Mercury Exposure and Implications in Human Health. Nutrients. 2022;14(24):5308. doi.org/10.3390/nu14245308

Zink – Cadmium

Gegenspielervor allem Forschung / Tierdaten

Cadmium ähnelt Zink und nutzt dessen Transportwege und Bindungsstellen.

Mehr dazu und Quellen

Das Schwermetall Cadmium ähnelt Zink chemisch so sehr, dass es dessen Transportwege und Bindungsstellen im Körper nutzen kann. In der Forschung, vor allem in Tierversuchen, beeinflusste der Zinkstatus Aufnahme und Speicherung von Cadmium. Eine Cadmiumbelastung wird im Labor im Blut oder Urin gemessen; Hauptquelle ist in der Regel Tabakrauch.

  1. Brzóska MM, Moniuszko-Jakoniuk J. Interactions between cadmium and zinc in the organism. Food Chem Toxicol. 2001;39(10):967–980. doi.org/10.1016/s0278-6915(01)00048-5

Kupfer – Molybdän

Gegenspielervor allem Forschung / Tierdaten

Vor allem aus der Tierernährung bekannt; beim Menschen kaum messbar.

Mehr dazu und Quellen

Molybdän kann Kupfer chemisch binden. Bei Weidetieren führt viel Molybdän im Futter zu Kupfermangel, und eine Molybdänverbindung wird in der Medizin gezielt zur Kupferbindung eingesetzt. Beim Menschen zeigte sich in kontrollierten Studien auch bei deutlich erhöhter Zufuhr aus der Nahrung kein messbarer Einfluss auf den Kupferstatus. Wir führen dieses Paar deshalb vor allem der Vollständigkeit halber auf.

  1. Turnlund JR et al. Molybdenum absorption, excretion, and retention studied with stable isotopes in young men at five intakes of dietary molybdenum. Am J Clin Nutr. 1995;62(4):790–796. doi.org/10.1093/ajcn/62.4.790

Auch Vitamine haben Partner

Vitamin D – Vitamin K

Partnervor allem Forschung / Tierdaten

Vitamin D regt calciumbindende Eiweiße an, Vitamin K macht sie funktionsfähig.

Mehr dazu und Quellen

Vitamin D sorgt dafür, dass Calcium aus der Nahrung aufgenommen wird, und regt die Bildung bestimmter Eiweiße an, die Calcium binden. Diese Eiweiße, etwa Osteocalcin im Knochen und Matrix-Gla-Protein in der Gefäßwand, werden erst mit Hilfe von Vitamin K funktionsfähig. Wie bedeutsam dieses Zusammenspiel für den einzelnen Menschen ist, wird derzeit noch erforscht.

  1. van Ballegooijen AJ et al. The Synergistic Interplay between Vitamins D and K for Bone and Cardiovascular Health: A Narrative Review. Int J Endocrinol. 2017;2017:7454376. doi.org/10.1155/2017/7454376

Folat – Vitamin B12

Partnergut belegt

Viel Folsäure kann die Blutbild-Zeichen eines B12-Mangels überdecken.

Mehr dazu und Quellen

Folat und Vitamin B12 arbeiten bei der Blutbildung eng zusammen. Eine hohe Folsäurezufuhr kann die typischen Blutbildveränderungen eines Vitamin-B12-Mangels überdecken, während der Mangel an anderer Stelle, etwa am Nervensystem, bestehen bleibt. Für eine aussagekräftige Einordnung werden B12-Marker wie Holotranscobalamin oder Methylmalonsäure deshalb unabhängig vom Blutbild bestimmt.

  1. Mills JL, Molloy AM, Reynolds EH. Do the benefits of folic acid fortification outweigh the risk of masking vitamin B12 deficiency? BMJ. 2018;360:k724. doi.org/10.1136/bmj.k724

Was das für die Diagnostik bedeutet

Antagonisten erklären, warum wir Laborwerte im Zusammenhang lesen. Drei Dinge sind dabei wichtig:

  • Wo gemessen wird: Viele Mineralstoffe liegen überwiegend in den Zellen. Ein Serumwert kann deshalb unauffällig sein, obwohl die Speicher niedriger sind.
  • Was den Wert beeinflusst: Entzündung, Tageszeit, nüchtern oder nicht, Hormone und die Blutabnahme selbst verschieben Werte.
  • Verhältnisse statt Einzelwerte: Quotienten wie Kupfer zu Zink geben Hinweise, sind aber keine eigenständige Diagnose.

Wo wird gemessen?

Serum / PlasmaRoutinematerial. Zeigt vor allem, was gerade im Blut zirkuliert. Kalium wird nach der Richtlinie der Bundesärztekammer heute aus Plasma oder Vollblut bestimmt, weil im Serum beim Gerinnen Kalium aus den Blutplättchen austritt.
VollblutErfasst zusätzlich den Anteil in den Blutzellen. Für Elemente, die vor allem in den Zellen liegen, etwa Magnesium, Kalium oder Zink, ist das eine sinnvolle Ergänzung. Referenzbereiche sind laborabhängig.
ErythrozytenMineralstoffe in den roten Blutkörperchen. In Studien reagierte zum Beispiel Erythrozyten-Magnesium auf die Zufuhr; das Verfahren ist weniger standardisiert.
24-Stunden-UrinZeigt, was ausgeschieden wird. Für das Verhältnis von Natrium zu Kalium und für Magnesium aussagekräftiger als eine einzelne Urinprobe.
HaaranalyseFür den Mineralstoffstatus nicht geeignet: Eine geteilte Haarprobe ergab in sechs Laboren Werte, die sich um mehr als das Zehnfache unterschieden (Seidel 2001, JAMA). Wir bieten sie dafür nicht an.

Beispiel: Kupfer und Zink im Befund

BEISPIEL · KEINE ECHTEN WERTE
ZinkLaborreferenz
KupferLaborreferenz
Kupfer/Zink-Quotientkein fester Grenzwert
Was diesen Wert beeinflusst
  • Entzündung (CRP): Kupfer steigt, Zink fällt
  • Tageszeit und Nüchternheit: Zink ist morgens nüchtern höher
  • Niedriges Albumin: Zink im Blut sinkt
  • Hormone, Pille, Schwangerschaft: Kupfer steigt
  • Blutabnahme: spezielle Röhrchen, Hämolyse vermeiden

In Studien mit älteren Menschen hing ein höherer Kupfer-Zink-Quotient mit Entzündung und Sterblichkeit zusammen. Einen festen Grenzwert für den Einzelnen gibt es nicht. Wir nutzen ihn als Hinweis zur Einordnung, zusammen mit Entzündungswerten und Ihrer Vorgeschichte.

So gehen wir in der Praxis vor

  • Anamnese: Ernährung, Einnahme von Präparaten (auch Zink, Eisen, Calcium, Folsäure), Medikamente, Belastungen.
  • Labor: zum Beispiel Vollblutmineralanalyse mit Magnesium, Kalium, Zink, Kupfer, Selen, dazu Eisenstatus und Entzündungswerte, je nach Fragestellung.
  • Befundgespräch: Wir zeigen Ihnen, welche Werte zusammengehören, und besprechen, was sich daraus für Sie ableiten lässt.

Mehr zu Stoffwechselwegen finden Sie unter Biomarker verstehen.

Heilpraktisch orientierte Befunderhebung. Ersetzt keine ärztliche Diagnostik. Nehmen Sie Mineralstoffpräparate in hoher Dosis nur nach Rücksprache ein.

Quellen

  1. Palmer BF. Regulation of Potassium Homeostasis. Clin J Am Soc Nephrol. 2015;10(6):1050–1060. doi.org/10.2215/CJN.08580813
  2. Ndanuko RN et al. Association between the Urinary Sodium to Potassium Ratio and Blood Pressure in Adults. Adv Nutr. 2021;12(5):1751–1767. doi.org/10.1093/advances/nmab036
  3. Linus Pauling Institute, Micronutrient Information Center: Zinc. lpi.oregonstate.edu/mic/minerals/zinc
  4. Duncan A et al. The risk of copper deficiency in patients prescribed zinc supplements. J Clin Pathol. 2015;68(9):723–725. doi.org/10.1136/jclinpath-2014-202837
  5. Costello RB, Nielsen F. Interpreting magnesium status to enhance clinical care: key indicators. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2017;20(6):504–511. doi.org/10.1097/MCO.0000000000000410
  6. Costello RB et al. Perspective: Characterization of Dietary Supplements Containing Calcium and Magnesium and Their Respective Ratio. Adv Nutr. 2021;12(2):291–297. doi.org/10.1093/advances/nmaa160
  7. Huang CL, Kuo E. Mechanism of hypokalemia in magnesium deficiency. J Am Soc Nephrol. 2007;18(10):2649–2652. doi.org/10.1681/ASN.2007070792
  8. KDIGO 2017 Clinical Practice Guideline Update for CKD-MBD. Kidney Int Suppl. 2017;7(1):1–59. doi.org/10.1016/j.kisu.2017.04.001
  9. Peacock M. Phosphate Metabolism in Health and Disease. Calcif Tissue Int. 2021;108(1):3–15. doi.org/10.1007/s00223-020-00686-3
  10. Collins JF, Prohaska JR, Knutson MD. Metabolic crossroads of iron and copper. Nutr Rev. 2010;68(3):133–147. doi.org/10.1111/j.1753-4887.2010.00271.x
  11. Fischer Walker C et al. Interactive effects of iron and zinc on biochemical and functional outcomes in supplementation trials. Am J Clin Nutr. 2005;82(1):5–12. doi.org/10.1093/ajcn.82.1.5
  12. Kondaiah P et al. Iron and Zinc Homeostasis and Interactions. Nutrients. 2019;11(8):1885. doi.org/10.3390/nu11081885
  13. Hallberg L et al. Calcium: effect of different amounts on nonheme- and heme-iron absorption in humans. Am J Clin Nutr. 1991;53(1):112–119. doi.org/10.1093/ajcn/53.1.112
  14. Lönnerdal B. Calcium and iron absorption – mechanisms and public health relevance. Int J Vitam Nutr Res. 2010;80(4–5):293–299. doi.org/10.1024/0300-9831/a000036
  15. Finley JW. Manganese absorption and retention by young women is associated with serum ferritin concentration. Am J Clin Nutr. 1999;70(1):37–43. doi.org/10.1093/ajcn/70.1.37
  16. Ralston NV, Raymond LJ. Dietary selenium’s protective effects against methylmercury toxicity. Toxicology. 2010;278(1):112–123. doi.org/10.1016/j.tox.2010.06.004
  17. Tinggi U, Perkins AV. Selenium Status: Its Interactions with Dietary Mercury Exposure and Implications in Human Health. Nutrients. 2022;14(24):5308. doi.org/10.3390/nu14245308
  18. Brzóska MM, Moniuszko-Jakoniuk J. Interactions between cadmium and zinc in the organism. Food Chem Toxicol. 2001;39(10):967–980. doi.org/10.1016/s0278-6915(01)00048-5
  19. Turnlund JR et al. Molybdenum absorption, excretion, and retention studied with stable isotopes in young men at five intakes of dietary molybdenum. Am J Clin Nutr. 1995;62(4):790–796. doi.org/10.1093/ajcn/62.4.790
  20. van Ballegooijen AJ et al. The Synergistic Interplay between Vitamins D and K for Bone and Cardiovascular Health: A Narrative Review. Int J Endocrinol. 2017;2017:7454376. doi.org/10.1155/2017/7454376
  21. Mills JL, Molloy AM, Reynolds EH. Do the benefits of folic acid fortification outweigh the risk of masking vitamin B12 deficiency? BMJ. 2018;360:k724. doi.org/10.1136/bmj.k724
  22. Malavolta M et al. Plasma copper/zinc ratio: an inflammatory/nutritional biomarker as predictor of all-cause mortality in elderly population. Biogerontology. 2010;11(3):309–319. doi.org/10.1007/s10522-009-9251-1
  23. Mocchegiani E et al. Cu to Zn ratio, physical function, disability, and mortality risk in older elderly (ilSIRENTE study). Age. 2012;34(3):539–552. doi.org/10.1007/s11357-011-9252-2
  24. IZiNCG Technical Brief No. 2 (2012): Assessing population zinc status with serum zinc concentration. www.izincg.org/s/IZiNCG_TechBrief2_2012-3_English.pdf
  25. Seidel S et al. Assessment of commercial laboratories performing hair mineral analysis. JAMA. 2001;285(1):67–72. doi.org/10.1001/jama.285.1.67
  26. Witkowski M, Hubert J, Mazur A. Methods of assessment of magnesium status in humans: a systematic review. Magnes Res. 2011;24(4):163–180. doi.org/10.1684/mrh.2011.0292
  27. Bundesärztekammer: Richtlinie zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK), Änderungsdokumentation Teil A und B1, Stand 14.04.2023.
  28. Dopico XC et al. Widespread seasonal gene expression reveals annual differences in human immunity and physiology. Nat Commun. 2015;6:7000. doi.org/10.1038/ncomms8000
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Häufige Fragen

Welche Antagonisten gibt es außer bei Mineralstoffen?

Gegenspieler gibt es auf allen Ebenen: Natrium und Kalium in der Zelle, Sympathikus und Parasympathikus im Nervensystem, Cortisol und Melatonin im Tagesrhythmus, Insulin und Glukagon im Zuckerstoffwechsel, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren bei der Entzündung und auf seelischer Ebene die Bewegung nach innen und nach außen.

Was sind Antagonisten bei Mineralstoffen?

Antagonisten sind Stoffe, die sich gegenseitig in Aufnahme, Transport oder Wirkung beeinflussen. Zink und Kupfer konkurrieren zum Beispiel im Darm, Natrium und Kalium werden über dieselbe Pumpe und gemeinsam in der Niere reguliert.

Warum reicht ein einzelner Laborwert nicht?

Weil viele Mineralstoffe vor allem in den Zellen liegen, Entzündungen Werte verschieben und Gegenspieler sich gegenseitig beeinflussen. Ein Wert wird erst im Zusammenhang mit anderen Werten und Ihrer Situation aussagekräftig.

Was ist eine Vollblutmineralanalyse?

Dabei werden Mineralstoffe und Spurenelemente im Vollblut bestimmt, also einschließlich des Anteils in den Blutzellen. Das ergänzt die übliche Serumdiagnostik, vor allem bei Elementen wie Magnesium, Kalium und Zink.

Bieten Sie eine Haar-Mineralanalyse an?

Für den Mineralstoffstatus nicht. Vergleichsstudien zeigen, dass Labore bei derselben Haarprobe sehr unterschiedliche Werte messen. Wir arbeiten deshalb mit Blut- und Urinwerten.

Fachlich verantwortlich: Yesha Karmeli, Heilpraktiker, Natura Heilpraxis Berlin. Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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