Östrogendominanz / Progesteronmangel
Mit Östrogendominanz ist ein Ungleichgewicht zwischen den Hormonen Östrogen und Progesteron (Gelbkörperhormon) zugunsten des Östrogens gemeint. Bei Hormonen kommt es nicht nur auf die einzelnen Werte an, sondern auch auf ihr Verhältnis zueinander. Ein relatives Zuviel an Östrogen kann deshalb auch dann bestehen, wenn die Östrogenwerte selbst normal oder sogar leicht erniedrigt sind. So können Beschwerden, die an einen Östrogenmangel erinnern, und solche, die an ein Zuviel erinnern, gleichzeitig auftreten.
Beschwerden, die häufig mit Östrogendominanz in Verbindung gebracht werden
prämenstruelle Beschwerden (PMS), Brustspannen
Wassereinlagerungen
starke oder unregelmäßige Regelblutungen
Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme
Gewichtszunahme, besonders an Hüften und Oberschenkeln
Beschwerden in den Jahren vor den Wechseljahren
Diese Beschwerden sind unspezifisch und haben viele mögliche Ursachen. Ein Zusammenhang mit dem Hormonverhältnis ist im Einzelfall nicht bewiesen; deshalb gehören sie gynäkologisch abgeklärt, bevor man sie einem Hormonungleichgewicht zuschreibt.
Warum oft zuerst das Progesteron sinkt
Progesteron entsteht nach dem Eisprung im Gelbkörper. Bleibt der Eisprung aus, was in den Jahren vor den Wechseljahren häufiger vorkommt, fehlt in diesem Zyklus das Progesteron, während Östrogen noch gebildet wird. So kann ein relatives Übergewicht entstehen, auch wenn die Östrogenwerte selbst normal oder sogar niedrig sind.
Was die Balance beeinflussen kann
- Lebensphase: Zyklen ohne Eisprung in der Perimenopause
- Stress: Stresshormone können den Zyklus und die Bildung der Sexualhormone stören; mehr dazu im Ratgeber Hormone
- Körperfett: Im Fettgewebe wird ebenfalls Östrogen gebildet
- Leber und Darm: Östrogen wird in der Leber umgebaut und über Galle und Darm ausgeschieden; bestimmte Darmbakterien können es wieder freisetzen. Diese Zusammenhänge werden erforscht, sind im Einzelfall aber schwer zu messen
- Hormonpräparate und hormonähnliche Stoffe
Hormonwerte zyklusgerecht messen
Progesteron ist nur in der zweiten Zyklushälfte aussagekräftig, bei einem 28-Tage-Zyklus etwa um den 21. Tag, also rund eine Woche nach dem Eisprung. Östradiol, LH und FSH werden je nach Fragestellung zu Zyklusbeginn bestimmt. Speicheltests sind für Sexualhormone umstritten; wir messen im Blut und ordnen die Werte mit Ihren Beschwerden und Ihrer Lebensphase ein. Da Östrogen auch Schilddrüsenwerte beeinflussen kann, lohnt bei passenden Beschwerden ein Blick auf die Schilddrüse.
Wann gynäkologisch abklären
- sehr starke oder lang anhaltende Blutungen, Blutungen zwischen den Perioden
- Blutungen nach den Wechseljahren
- neue Knoten in der Brust
- ausbleibende Periode ohne erklärbaren Grund
- Schwellung, Schmerz und Rötung eines Beins (Verdacht auf Thrombose: sofort)
Häufige Fragen
Ist Östrogendominanz eine Diagnose?
Nein, der Begriff stammt aus der Naturheilkunde und beschreibt ein Verhältnis: Östrogen überwiegt gegenüber Progesteron. Beschwerden werden gynäkologisch abgeklärt, die Hormonwerte zyklusgerecht gemessen.
Wann sollte Progesteron gemessen werden?
In der zweiten Zyklushälfte, bei einem 28-Tage-Zyklus etwa um den 21. Tag. Zu einem anderen Zeitpunkt ist ein niedriger Wert normal und nicht aussagekräftig.
Welche Beschwerden werden damit in Verbindung gebracht?
Unter anderem PMS, Brustspannen, Wassereinlagerungen, starke oder unregelmäßige Blutungen und Stimmungsschwankungen. Diese Beschwerden haben viele mögliche Ursachen.
Was kann ich selbst tun?
Stress reduzieren, regelmäßig bewegen, ausreichend schlafen, ballaststoffreich essen und Alkohol begrenzen. Hormonpräparate nur in ärztlicher Absprache.
Alle Fragen & Antworten im Ratgeber →
Fachlich verantwortlich: Yesha Karmeli, Heilpraktiker, Natura Heilpraxis Berlin. Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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