Darmflora aufbauen – Grundlagen und ganzheitliche Einordnung

Bakterien mit Geißeln

Was versteht man unter Darmflora?

Als Darmflora (Darmmikrobiota) wird die Gesamtheit der im menschlichen Darm lebenden Mikroorganismen bezeichnet. Sie besteht aus mehreren hundert verschiedenen Bakterienarten, die in einem komplexen Gleichgewicht miteinander stehen. In der wissenschaftlichen Literatur wird beschrieben, dass ein großer Teil der immunologisch aktiven Zellen mit der Darmschleimhaut assoziiert ist. Der Zustand der Darmflora wird daher häufig im Zusammenhang mit allgemeinen Regulations- und Abwehrprozessen betrachtet.

Einflussfaktoren auf die Darmflora

Verschiedene äußere Einflüsse können die Zusammensetzung der Darmflora verändern. Dazu zählen unter anderem:

  • die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antibiotika, Säureblocker, Cortison),

  • Umweltbelastungen,

  • Alkohol- und Nikotinkonsum,

  • einseitige oder nährstoffarme Ernährung,

  • anhaltende Stressbelastung.

In solchen Situationen kann es zu einer Verschiebung des bakteriellen Gleichgewichts kommen, die in der Fachliteratur als Dysbiose beschrieben wird.

Mögliche Zusammenhänge bei einer veränderten Darmflora

Eine veränderte Zusammensetzung der Darmmikrobiota wird in Studien mit verschiedenen funktionellen Beschwerden und Erkrankungen in Verbindung gebracht. Genannt werden unter anderem Verdauungsbeschwerden, Unverträglichkeiten, entzündliche Prozesse im Darm sowie immunologische Fehlregulationen. Diese Zusammenhänge werden wissenschaftlich intensiv erforscht und gelten als komplex und multifaktoriell.

Darmflora und Darmschleimhaut

Die Darmschleimhaut bildet eine wichtige Barriere zwischen Darminhalt und Körperinnerem. Bestimmte Bakterienarten sind an der Aufrechterhaltung dieser Barriere beteiligt, indem sie die Schleimhaut besiedeln und Stoffwechselprodukte bilden, die zur Stabilität beitragen. In der Forschung wird eine gestörte Darmbarriere auch im Zusammenhang mit einer erhöhten intestinalen Permeabilität („Leaky Gut“) diskutiert.

Darmflora und Immunsystem

Die Darmflora steht in enger Wechselwirkung mit dem angeborenen und erworbenen Immunsystem. Fachpublikationen beschreiben einen kontinuierlichen Austausch zwischen Darmbakterien und Immunzellen. In einer Übersichtsarbeit im European Review for Medical and Pharmacological Sciences (2013) wird ausgeführt, dass die Darmflora schützende, metabolische und immunologische Funktionen erfüllt und Probiotika in bestimmten Kontexten unterstützend eingesetzt werden können.

Ernährung als Einflussfaktor

Die Zusammensetzung der Darmflora wird wesentlich durch die Ernährung beeinflusst. Ballaststoffreiche Lebensmittel, bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel sowie fermentierte Produkte werden in der Literatur als mögliche Faktoren beschrieben, die das bakterielle Gleichgewicht im Darm beeinflussen können. Auch der reduzierte Konsum stark verarbeiteter und zuckerreicher Lebensmittel wird im Zusammenhang mit der Darmflora diskutiert.

Ganzheitliche Betrachtung des Darmflora-Aufbaus

In der naturheilkundlichen Praxis wird der Aufbau bzw. die Stabilisierung der Darmflora häufig ganzheitlich betrachtet. Dazu gehören unter anderem:

  • die Analyse der individuellen Situation,

  • eine angepasste Ernährungsweise,

  • der Einsatz von Prä- und Probiotika im Rahmen einer fachlichen Beratung,

  • begleitende Maßnahmen zur Unterstützung des Verdauungssystems.

Da jeder Organismus individuell reagiert, wird in der Fachliteratur darauf hingewiesen, dass entsprechende Prozesse Zeit benötigen und nicht schematisch erfolgen können.

Darmflora, Nervensystem und Entspannung

Neuere Forschungsarbeiten befassen sich zudem mit der Verbindung zwischen Darm, enterischem Nervensystem und zentralem Nervensystem. Dabei wird unter anderem die Rolle des Vagusnervs sowie die Beteiligung des Darms an der Serotoninproduktion beschrieben. Diese Zusammenhänge werden weiterhin wissenschaftlich untersucht.

Fazit

Die Darmflora ist ein komplexes mikrobielles System mit vielfältigen Wechselwirkungen zu Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel. Veränderungen dieses Systems werden mit unterschiedlichen funktionellen Prozessen in Verbindung gebracht. Eine sachliche, individuelle und ganzheitliche Betrachtung bildet daher die Grundlage für alle weiterführenden Maßnahmen im Kontext der Darmgesundheit.

Weiterführende wissenschaftliche Hinweise

Die nachfolgenden Quellen dienen der allgemeinen Information und Einordnung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Darmflora, Darmbarriere und zum enterischen Nervensystem. Sie stellen keine Wirknachweise für einzelne Diagnose- oder Therapieverfahren dar.

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25731162

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24130822

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21508958

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25860609

  • https://www.nature.com/articles/nrgastro.2016.107

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3758766/

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14767487

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